27.08.2017

Time waits for no one.


Dass die Zeit auf niemanden wartet, sondern uns immer mehr davon rennt, ist ab einem bestimmten Punkt, so denke ich, jedem von uns bewusst. Dem einen mehr, dem anderen weniger. 

Wer von uns geliebte Menschen verloren hat oder im Begriff ist einen solchen geliebten für immer zu verabschieden, weiß Zeit immer mehr zu schätzen. Man legt den Fokus des täglichen Lebens um. Man genießt jeden Moment, den man mit diesem Menschen hat, egal wie schwer eine Situation ist. Und diese können gerade dann sehr schwierig sein, wenn der geliebte Mensch sehr schwer krank ist und man im Alltag versucht, die Zuwendungen neben der notwendigen Pflege nicht zu kurz kommen zu lassen. 

Ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die nicht nachvollziehen können wie das ist, wenn man einen an Krebs erkrankten Menschen im Haushalt hat, den man pflegt und dem man auch genügend Zuwendungen geben möchte, ohne dass dieser sich wie eine Belastung fühlt. Viele Menschen sehen immer nur einen schwerkranken Menschen, aber nicht den Bedarf an Menschenwürde dahinter. Oder auch daran, wie es den Angehörigen dabei geht, was sie durchmachen müssen. Eine solche Situation ist für alle Beteiligten, sei es der Betroffene selbst oder die Angehörigen, nicht einfach. Und in vielerlei Hinsicht fühlt man sich hilflos. Man steckt in einer Situation, in der man helfen möchte, dem geliebten Menschen ein schmerzfreies Sein zu ermögen, und doch kann man es nicht. 

Ich selbst leide jedes Mal nicht nur im Herzen, sondern auch in der Seele mit, wenn ich erlebe, wie mein Papa mit seinen schweren, kaum auszuhaltenden Schmerzen kämpft oder er nicht in der Lage ist, alltägliche Dinge allein zu machen, weil der Körper immer mehr vom Krebs aufgefressen wird. Es fällt mir in vielen Situationen schwer, nicht einfach mal in Tränen auszubrechen. Aber das würde weder meinem Papa noch meiner Mama oder mir selbst helfen. Stark sein und ihm zu zeigen, dass wir ihn lieb haben und hinter ihm stehen, ist für uns das oberste Ziel. Er soll sich wohl fühlen. Für die Zeit, die ihm noch bleibt. 

Wer ähnliche Erfahrungen gemacht hat bzw. macht, weiß, dass Zeit hier meistens ein wirklich fieser Faktor ist. Die erste Zeit ging es ihm immer noch gut, doch in den letzten Wochen sieht man ihm den Leidensweg an, wie der Krebs seinen Körper auffrisst und immer weiter schwächt. Die benötigten Ruhephasen treten immer häufiger auf, die Schmerzmedikamente helfen nicht mehr in dem Maße wie sie es einst taten und jeder Tag ist vom Neuen her ein Glücksspiel. 

Für all jene, die ebenfalls einen solchen Lebensabschnitt bewältigen müssen, denen bleibt nur zu signalisieren, dass ihr nicht alleine seid. Ich wünsche uns allen für das, was kommen mag, ganz viel Kraft, Mut und Selbstvertrauen. Ich weiß, das ist nicht immer einfach, besonders die Kraft zu finden, Stärke zu zeigen.   

Eure animasoul

Kommentare:

  1. Mir fehlt eine ähnliche Lebenserfahrung, um wirklich nachzuvollziehen, was ihr gerade durchmacht. Aber ich wünsche dir und deiner Familie viel Kraft und noch so viele gute gemeinsame Stunden mit deinem Vater wie irgend möglich.

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    1. Liebe Winterkatze,

      eine solche Lebenserfahrung wünsche ich niemanden. Dennoch danke ich dir, für deine lieben und gedankenvollen Worte. Leider hat sich das Thema zwischenzeitlich - mehr oder weniger - erledigt, da mein Papa am Montg verstorben ist. Wir waren uns bewusst, dass der Moment irgendwann kommen wird, aber dennoch kam er sehr plötzlich und überraschend.

      Liebe Grüße
      animasoul

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    2. Es tut mir sehr leid für euch. Mein herzliches Beileid! Immerhin konntet ihr für ihn in den letzten Monaten so viel wie möglich da sein, was gewiss für euch alle wichtig und gut war.

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