26.09.2012

[Review] Bradford, Isabella - When You Wish Upon A Duke (Wylder Sisters #1)

eBook
Format: Kindle Edition
Erschienen: 2012
Sprache: Englisch
Seiten: 322
Verlag: Ballantine
eISBN: 978-0-345-52730-1
Preis: ca. 4,39 €
Altersempfehlung: ab 16 Jahren




Über die Autorin:

Isabella Bradford is a pseudonym for Susan Holloway Scott, the award-winning author of more than forty historical novels and historical romances. Her bestselling books have been published in nineteen countries and translated into fourteen languages with more than three million copies in print. Bradford also writes as half of the Two Nerdy History Girls, an entertaining history blog that is also on Twitter and Pinterest. She is a graduate of Brown University, and lives with her family outside of Philadelphia.


Klapptext:

Raised in the Dorset countryside, Lady Charlotte Wylder doesn’t care one bit about well-bred decorum. The dark-haired, blue-eyed beauty would rather ride a horse than attend a stuffy ball. So when Charlotte learns that she is to leave immediately for London to wed the Duke of Marchbourne, a perfect model of aristocratic propriety, she is less than enchanted with her arranged marriage.

But to her delight, their first encounters are brazenly flirtatious, and their wedding night burns with passion. March’s broad shoulders and dark countenance make Charlotte want to rip every button off his waistcoast. She may even be falling in love with her new husband. Yet whenever their desire boils over, March reluctantly pushes Charlotte away. Will past secrets and present misunderstandings mire their marriage in scandal, or serve to strengthen a band that is destined to last a lifetime?


Meinung:

Für mich ist es immer wieder ein besonderes Ereignis, in einem Genre, das ich zu schätzen gelernt habe, hin und wieder interessante Neuentdeckungen zu machen. Auch bei “When You Wish Upon a Duke”, dem ersten Band der Wylder Sister-Reihe, hatte ich die Hoffnung, dass ich es hier mit einer glitzernden und überwältigenden Neuentdeckung zu tun haben könnte, die mich absolut begeistert. Und ehrlich gesagt, war ich diesbezüglich auch noch nach ungefähr ein Drittel des Buches guter Hoffnung, ein solches kleines Schätzchen gefunden zu haben.


Doch schon nach dem ersten Drittel kam dann ganz rasch die Ernüchterung, dass “When You Wish Upon a Duke” alles andere als eine funkelnde Entdeckung ist, die man gern gelesen hat, sein wird. Denn ab da ging es mit der Geschichte und der Erzählung stetig bergab, bis es an die Grenzen des Annehmbaren kam und stetig meine Nerven strapazierte.

Der Anfang der Geschichte hat mich wirklich gefesselt. Die Handlung war wirklich kreativ, liebenswert und gut durchdacht umgesetzt und entlockte mir auch hin und wieder ein zartes Lächeln. Doch schnell sollte es damit vorbei sein, denn nach den ersten Treffen der beiden Protagonisten verlor die Geschichte nicht nur an Leichtigkeit, sondern auch an Kreativität und wirkte auf mich, als hätte Frau Bradford selbst nicht richtig gewusst, wie sie die Geschichte weiter erzählen sollte, was ich sehr schade finde, da nach diesem wirklich vielversprechenden Anfang eindeutig Potential vorhanden war, die Geschichte einfach besser voranzutreiben bzw. auch zu erzählen. Hierfür wären zeitweise wirklich nur Kleinigkeiten vonnöten gewesen, die nicht nur die Charaktere untereinander näher bringt, sondern auch die Charaktere dem Leser.

Allein schon der Aspekt, dass die Hochzeit zwischen den beiden eine arrangierte ist, ist eine weniger romantische Aussicht, jedoch haben die ersten beiden Zusammentreffen, die zwar eher von Verlangen nacheinander geprägt waren, dies ein wenig in den Hintergrund treten lassen, zeigt aber wieder deutlich, dass eine nachvollziehbare Umsetzung, mit der man als Leser konform gehen kann, deutlich erschwert wird, besonders wenn man kleine romantische Zusammentreffen zwischen den Protagonisten wirklich gern liest.

March und Charlotte, die beiden Protagonisten dieses Buches, haben wenig Zeit sich vor der Hochzeit einigermaßen kennen zu lernen und Vertrauen zueinander aufzubauen, was schon einmal ein wirklich harter Brocken ist, den man als Leser vorgesetzt bekommt. Zwar hat Frau Bradford versucht, in diesem wenig romantischem Setting ein wenig Leidenschaft erblühen zu lassen, aber mehr als ein Versuch ist es leider nicht geworden. Denn nach diesen beiden ersten Zusammentreffen (der erste davon findet in einem Baum statt und der zweite in einem Bekleidungsgeschäft für Damen), die ungefähr ein Drittel der Geschichte ausmachen, lässt die Geschichte und Erzählung unheimlich nach und hat mich zeitweise richtiggehend genervt. Von Romantik, großen Emotionen und Leidenschaft zueinander fehlte leider jegliche Spur.

Während das erste Drittel noch wirklich gut erzählt wurde, nahm es nach der Hochzeit rapide ab. Nicht nur wurde die Erzählung recht flach, einfallslos, lieblos und emotionslos, sondern auch die Handlung verlor an Glanz und Einfallsreichtum, denn im Groben und Ganzen haben sich die Handlung und Erzählung immer wieder wiederholt. So hat sich nach den leidenschaftlichen Nächten der beiden March immer wieder dazu hinreißen lassen, sich nach einer solchen gefühlte 1.000 Mal bei Charlotte für sein “unanständiges” Verhalten ihr gegenüber zu entschuldigen und danach die Flatter zu machen. Nur weil er sie begehrt! Hallo, geht’s noch? Soll er doch froh sein, dass er seine Frau begehrt. Aber nein, stattdessen schämt er sich dafür und entschuldigt sich dementsprechend häufig. Und wenn March sich nicht gerade dafür entschuldigt, dass er Charlotte begehrt, entschuldigt sich Charlotte bei ihm für ihr Verhalten. *seufz und mit den Augen roll* Ganz ehrlich, in jedem Kapitel nur Entschuldigungs-Dialoge zu lesen, war echt nervig und hat mich mehr als nur einmal zum Grummeln gebracht. Stellt euch mal vor, ihr lest ständig nur eine der beiden Entschuldigungs-Varianten? Boah. Nervig, oder?

Nicht nur, dass mich die Dialoge genervt haben, nein, auch die Handlung an sich hätte etwas anders umgesetzt werden können, um dem Leser ein klein wenig Verständnis für March zu vermitteln oder allgemein die Geschichte voranzutreiben und ihr entweder etwas Spannung oder knisternde Liebesszenen zu verpassen. Aber anstatt, wie es Frau Bradford hier zu anfangs mit Charlotte gemacht hat, etwas auf die eigentliche Vergangenheit von March einzugehen, wurde hier nur auf seine Familie zurückgeblickt, hierbei insbesondere auf seine Großmutter, die ein skandalöses Leben führte. Dass man hierbei mal versucht, dem Leser March persönlich näher zu bringen, indem etwas mehr über diesen Charakter an sich Preis gibt, ist hier anscheinend niemandem in den Sinn gekommen. Stattdessen wurde man immer wieder damit konfrontiert, dass er aus (für den Leser) nicht nachvollziehbaren Gründen immer wieder die Flucht nach Hinten antritt.

Ein weiterer Punkt, der mich schier in den Wahnsinn trieb, ist zwar nur ein kleiner, aber der hätte eindeutig dafür sorgen können, dass die beiden Protagonisten vertrauter auf den Leser wirken und nicht so distanziert und kalt: die Benutzung von March’s Vornamen. Und nein, March ist nicht sein Vorname. Traurig, oder? Auf die simple Frage Charlotte’s “Wie soll ich dich denn nennen?” wird einfach nur trocken “Marchbourne. Oder für Freunde March” geantwortet. *verzweifelt mit dem Kopf schüttel* Mal ehrlich, was soll das denn für ein Vertrauensverhältnis sein, wenn sie nicht einmal seinen Vornamen nutzt, weil sie diesen nicht kennt und/oder er sich auf diese Weise nicht nur emotional abkoppeln will.

Ich habe zwar schon über die Dialoge genörgelt und über deren Einseitigkeit, was die regelmäßigen “Es tut mir Leid”-Dialoge angeht, aber ich kann es mir nicht verkneifen, noch einmal zu verdeutlichen, dass die beiden anderweitig eben keine Dialoge führen – jedenfalls keine mit Inhalt. Inhaltlose Dialoge habe ich ja schon hin und wieder mal gesehen und mich darüber geärgert, aber hier ist die Erfahrung wieder recht grenzwertig. Wenn die beiden wenigstens miteinander über ihre Gefühle, ihre Erfahrungen und ihr Leben vor ihrem Kennenlernen geredet hätten oder sogar über die Tabus der Londoner Gesellschaft (was in Charlotte’s Hinsicht wirklich Gold wert gewesen wäre), hätte ich hier vermuten können, dass Frau Bradford versucht, zwischen ihnen eine Art Vertrauensverhältnis zu formen. Aber das ist leider absolut nicht der Fall. Ins Bett hüpfen ja, miteinander reden und eine Vertrauensbeziehung aufbauen nein. Traurig, traurig.

Neben dieser letztendlich recht einseitigen Story haben mich auch die beiden Protagonisten beinahe in den Wahnsinn getrieben und genervt bis zum Abwinken.

Zu anfangs wirkt Charlotte lebensfroh, willensstark, offen, warmherzig und intelligent. Doch nach ihrer Hochzeit ist das alles gleich wieder Pustekuchen. Sie wirkt unsicher und handelt regelmäßig ohne Nachzudenken, lässt sich von March in eine Ecke drängen, ohne mit ihm über ihre Bedenken, Gefühle und Ängste zu sprechen. Dadurch, dass Charlotte auf dem Land aufgewachsen ist, hat sie natürlich für die Feinheiten der Londoner Gesellschaft keinen Blick und erkennt eine Intrige nicht, selbst wenn diese sie in den Po beißt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und statt den Skandalen zu entgehen, tippelt sie, naiv wie sie ist, natürlich von einem in den anderen. Zuerst habe ich wirklich Mitgefühl für sie gehabt, da sie das Londoner Leben nicht kannte und mit gesellschaftlichen Feinheiten nicht konfrontiert wurde. Doch nach einem Aufenthalt in dem Haus ihrer Tante und einer kleinen Zeit als Duchess of Marchbourne hätte sie zumindest hin und wieder mal ein Gefühl dafür bekommen können, was um sie herum geschieht und wer ihr nicht ganz wohlgesonnen ist. So ist es mir nach dem zweiten größeren Zwischenfall, in dem March sie wutentbrannt von der Bildfläche zerrt, wirklich zu viel geworden. Aber dem dritten Zwischenfall (der mal wieder mit einem Baum zu tun hatte), war es mir dann zu viel. Ehrlich, ein solches Verhalten kann mir niemand nur unter dem Aspekt von Naivität verkaufen, hier handelt es sich schon eher um Weltfremdheit und Idiotie. Nicht nur, dass sie dieses Verhalten auch in aller Öffentlichkeit zur Schau trägt, nein, auch March gegenüber. Statt sich zu entschuldigen, hätte sie ihn zumindest mal um Ratschlag bitten können, wie sie sich zu verhalten hat bzw. was sie in der Londonder Gesellschaft zu beachten hat. Wäre das von einer intelligenten Protagonistin nicht wenigstens zu erwarten gewesen, die in fremden Gewässern schwimmt?

March, der mit Vornamen James heißt (und ja, sein Vorname wurde erwähnt – ein einziges Mal!), ist aber auch nicht gerade der Protagonist, den man zu Anfang kennengelernt hat und mit dem man sympathisierte. Schnell ist klar, dass March viel zu verschlossen und in sich gekehrt ist, um eine Vertrauensbeziehung zu jemandem außerhalb seiner Familie (und hier gibt es nur ein Familienmitglied!) aufzubauen. Zwar begehrt er seine Frau, doch schämt er sich dafür. Was natürlich überhaupt nicht nachvollziehbar ist. Er lässt seine Erscheinung meist auf andere wirken, versucht jedes Aufsehen um sich und seine Familie zu vermeiden, da passt ihm natürlich nicht, dass er schon fast einen handfesten Skandal verursacht hat, weil er seine Verlobte begehrt – in aller Öffentlichkeit wohl gemerkt. In Nervigkeit und unliebsamer Umsetzung macht March seiner Charlotte absolut Konkurrenz. Selten habe ich ein so unsympathisches und nerviges Protagonistenpaar gesehen, was die Szenerie größtenteils für sich alleine hatte und dennoch kalt und distanziert zueinander wirkte – nicht einmal der kleinste Funke ist bei den beiden übergesprungen. Mit kleinen Feinheiten (wie der Nutzung von March’s Vornamen oder Dialogen mit Inhalt – selbst wenn sie sich in diesen nur gegenseitig necken würden) und einer sich nicht regelmäßig wiederholenden Story auf Endlosschleife hätte man hier sicherlich eine nette und weniger nervende Story zustande gebracht, mit Protagonisten, die nur halb so farblos wirken, wie sie waren.

Nebencharaktere gab es schon, diese traten jedoch nur vereinzelt auf und wenn, dann auch wirklich nur sehr wenig. Hauptsächlich wurde die Geschichte von Charlotte und March dominiert, aus deren Perspektive die Geschichte abwechselnd erzählt wurde. Und selbst die Tatsache, dass hin und wieder die Erzählung aus March’s Perspektive geschildert wurde, hat nicht dafür gesorgt, dass dieser Charakter auch nur ansatzweise lebendig oder gar sympathisch wirkt.

Hierneben hätte ich allerdings liebend gerne in den Nebenrollen zumindest Charlotte’s Schwestern näher kennengelernt, die ja in den Nachfolgebänden die Protagonistinnen spielen. Vielleicht hätten diese die leicht melancholische und nebulöse Geschichte aufgepeppt und mit Farbe versehen, was eine willkommene Abwechselung gewesen wäre.  

An der Liebesgeschichte an sich störte mich nicht nur, dass diese in emotionaler und knisternder Hinsicht ein absolutes Desaster war, in dem, wie erwähnt, nicht einmal der kleinste Funke gesprungen ist, sondern auch, dass Charlotte nach drei Tagen Ehe (davor hat sie ihren Mann nur zweimal getroffen!) schon wusste, dass sie March liebt, was wirklich sehr realistisch ist. *Sarkasmus-Modus ausschalt* Wie kann man jemanden lieben, den man nicht kennt bzw. zu dem man kein Vertrauen hat und mit dem sich nicht unterhalten kann? Wie zur Hölle soll das funktionieren? Ich habe nämlich keinen blassen Schimmer und finde es unglaublich anstrengend, dass Frau Bradford überhaupt glaubt, dass das Leser überzeugt. Also, mich nicht. Euch?

Nachdem ich diesen wirklich schwachen Roman, der zwar zu anfangs wirklich gute Ansätze bot, ausgelesen hatte, hatte ich mir überlegt, der Autorin vielleicht noch einmal eine Chance zu geben, ob sie sich vielleicht noch steigern kann. Doch als ich dann die Klapptexte der beiden Folgebände gelesen habe, ist mir sprichwörtlich die Kinnlade runtergeklappt und ich habe mein Vorhaben ganz schnell wieder aus dem Kopf gestrichen. Einer anscheinenden Schema-F-Autorin aufzuliegen, ist nicht unbedingt meine Lieblingsbeschäftigung, besonders dann nicht, wenn mich ihre Geschichte von vornherein nicht überzeugen konnte. Vielleicht unterscheiden sich die Storys der Schwestern doch in den Ausführungen mehr als zu ihrem Vorgänger, dennoch lässt das Grundkonzept, was etwas zu sehr, hinsichtlich der arrangierten Hochzeit (ja, schon wieder – und zwar in zweifacher Ausführung!) und dem Heiraten dieses potentiellen Ehemannes, an deren Vorgänger erinnert, eher vermuten, dass ich um weitere Bücher von Frau Bradford einen riesigen Bogen mache.


Bewertung:

Handlung, Charakterdesign und Erzählstil gehen einfach nicht konform. Es wirkt unausgeglichen, schlecht durchdacht und ist gespickt mit nervigen Endlos-Entschuldigungs-Dialogen, die sich immer wieder wiederholen. Wer bei Historicals immer wieder gern auf eine qualitativ gut ausgearbeitete Handlung mit sympathischen Charakteren und humorvollen Dialogen/Szenerien Wert legt, sollte von “When You Wish Upon a Duke” lieber die Finger lassen, denn hier werdet ihr davon leider nichts dergleichen finden.


Infos zur Reihe:
  1. When You Wish Upon a Duke (Wylder Sisters #1)
  2. When the Duchess Said Yes (Wylder Sisters #2) – erschienen am 25.09.2012
  3. When the Duke Found Love (Wylder Sisters #3) – erscheint am 27.11.2012


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