23.07.2012

[Review] Warren, Christine - Küss mich, Werwolf (The Others #9)

Taschenbuch
Erschienen: 2011
Originaltitel: Wolf at the Door
Sprache: Deutsch
Seiten: 413
Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3-442-37514-1
Preis: 8,99 €
Altersempfehlung: ab 16 Jahren





Über die Autorin:

Christine Warren stammt aus New England und lebt jetzt an der Pazifikküste der USA. Sie hat, wie sie selbst sagt, viele schöne Hobbys, u.a. neue Schuhe, gute Weine, ihre vielen Tiere und ihre Familie und Freunde. Am liebsten ist ihr allerdings das Schreiben – und das Lesen jener Romane, bei deren Entstehung jemand anderes gebrütet hat.


Klapptext:

Sullivan Quinn ist sauer. Da hat er Irland und seine Werwolf-Familie für eine gefährliche Mission verlassen, und nun raubt ihm diese Frau mit ihrem verführerischen Duft jeden Verstand.

Denn Sullivan ist ein Anderer – und wie die anderen Gestaltwandler, Hexen und Werwesen versteckt auch er seit Jahren seine wahre Natur vor den Menschen. Doch jetzt will irgendjemand die Anderen sterben sehen – und Quinn muss seine Partner in den USA warnen. Um einen Plan zu finden, wie sich die Anderen vor der unbekannten Gefahr schützen können, ohne ihre wahre Natur preiszugeben, braucht er jedes bisschen Konzentration… und nicht etwa eine neue große Liebe.

Cassidy Poe ist eine angesehene Anthropologin – und eine Fuchsfrau. Nichts schätzt die selbstbewusste Gestaltwandlerin weniger als arrogante Werwölfe. Doch bei Sullivan Quinn und seiner sexy Ausstrahlung schwindet selbst ihr Widerstand. Die Nächte sind heiß und hemmungslos, doch als Cassidy erfährt, welche Gefahr ihnen allen droht, wird aus dem leidenschaftlichen Spiel Ernst. Gegen diesen unheimlichen Gegner, der jeden Tag stärker und bedrohlicher wird, müssen Quinn und Cassidy einander bedingungslos vertrauen…


Meinung:

Seit einigen Wochen habe ich dieses Buch nun schon in meiner Handtasche durch die Gegend geschleift und immer nur während meiner Pausen mich durch diese Folter in Buchform gequält, sodass ich nun endlich drei Kreuze machen kann, dass ich es hinter mich gebracht habe. Ehrlich, Folter ist noch nett ausgedrückt.


Hätte ich nämlich nicht vor einiger Zeit versehentlich den zweiten Teil dieser Reihe gekauft gehabt, hätte ich das Buch allein schon wegen seines wirklich grausig anzusehenden Covers ignoriert. Gespart hätte ich damit nicht nur Geld, sondern auch kostbare Lesezeit, die ich für wesentlich attraktivere Bücher hätte opfern können. Das viele Pink, bei den seit einiger kursierenden Covergestaltungen, geht mir echt auf die Augen. Davon brennen nicht nur meine Augen, sondern schmerzt auch mein Kopf. Was allerdings bei dem Inhalt, der sich zwischen den Seiten erstreckt, nicht bessert, sondern eher verschlechtert. Wenn ihr also ein Buch sucht, mit dem ihr jemanden nicht nur augentechnisch foltern wollt, verschenkt einfach “Küss mich, Werwolf”. Ein besseres Folterinstrument kann ich mir derzeit wirklich nicht vorstellen.

Aus Jugendschutzgründen – ich möchte ja schließlich nicht, dass unsere Jugend sich freiwillig irgendeiner unnützen Folter hingibt – möchte nur noch kurz darauf verweisen, dass ich nicht mal jemanden, der die 30 überschritten hat, dieses Buch empfehlen könnte. Der Sprachgebrauch ist wirklich böse missbraucht worden, weswegen ich allein schon deshalb dieses Buch für lesetechnisch vollkommen ungeeignet halte – egal welchen Alters (obige Angabe erfolgt nur aus Toleranzgründen meinerseits). Allein schon der Klapptext lässt zeitweise bei mir die Nackenhaare hoch stehen, weil sich hier schon die ersten Fragen zur Story ergeben und Indiz dafür sind, dass die eigentlich Geschichte nicht nur mehr als lahm ist, sondern auch von Unlogik geprägt.

Die eigentliche Idee mit einer geheimen Gesellschaft von Übernatürlichen mit Werwölfen, Gestaltwandler, Hexen & Co. ist in der breiten Spanne der Fantasy-Bücher nichts Neues und die Konkurrenz ist groß. Zeitweise unterscheiden sich verschiedene Autoren in ihren Umsetzungen nur durch ihren Handlungsverlauf, ihre Charaktere (die meistens die eigentliche Geschichte ausmachen) und ihre Umsetzung. Auch Frau Warren sticht mit ihrer Umsetzung heraus. Allerdings alles andere als positiv. Ich habe selten eine so lahme Gestaltwandlergeschichte gelesen. Premiere hatte ich allerdings damit, dass ich mich gefoltert gefühlt habe. Ehrlich, die Idee an sich, dass die übernatürliche Geheimgesellschaft sich langsam “entschleiern” muss, weil ihnen Gefahr droht, ist ein… netter Aspekt, der allerdings richtig grausig umgesetzt wird. Es fehlt der kompletten Story nicht nur an Spannung, Einfallsreichtum, Romantik, erotischem Knistern und Substanz, sondern auch an einer gewissen Logik und Fülle. Selbst der eingestreute Sekten-Aspekt vermochte es nicht, Spannung aufzubauen oder zu gar zu heucheln.

Fast in dem gesamten Buch passiert gar nichts. Wirklich absolut nichts. Die Charaktere dümpeln nur so vor sich her, führen einen leeren, nichtssagenden und überflüssigen Dialog nach dem anderen. Ich habe es bisher wirklich noch nie gehabt, dass ich Dialoge als leer, nichtssagend und überflüssig empfunden habe. Aber mit dem Buch hat das wirklich geklappt. Es wird zwar in den verschiedenen Dialogen immer ein thematischer Faden aufgenommen, aber eben nicht zu Ende geführt. Letzten Endes stellte ich mir nach Beenden eines Dialoges regelmäßig die Frage: Und, was sollte jetzt damit bezweckt werden? Hat mich der Dialog in der Handlung weitergebracht? Hat er mir Aufklärung über die Charaktere, ihre Handlung etc. gegeben? Ähm. Nein. Nichts dergleichen. Ich traure gerade unheimlich dolle meiner vergeudeten Lesezeit hinterher. *schnief*

Auch die Liebesgeschichte ist schwach, substanzlos und nicht nachvollziehbar umgesetzt. Zwar gibt es hier eine kleine Reihe von detailliert beschriebenen erotischen Szenerien, die allerdings weder erotisch noch in irgendeiner Form ansprechend sind, aber eine nachvollziehbare und gut umgesetzte Liebesgesichte fehlt vollkommen. Zwischen den Charakteren knistert es nicht mal ein klitzekleines bisschen. Wenig nachvollziehbar fand ich auch, dass die beiden bereits schon nach zwei Tagen (!) entschieden hatten, dass sie den jeweils anderen (*mit den Augen roll*) lieben und mit ihm den Rest seines/ihres Lebens verbringen möchten. Hallo? Braucht es dafür nicht so was wie Anzeichen von Gefühlen??? Und wenn ja, wo sind die abgeblieben? Ganz eindeutig nicht in dieser Geschichte. Müssen sich wohl heimlich unterwegs rausgeschlichen haben, ohne dass es jemand gemerkt hat. Ich mein, man kann in Fantasyromanen ja eine Menge machen. Auch, dass man sich auf den ersten Blick in jemanden verliebt, kann ich akzeptieren. Aber nach schlappen 2 Tagen (voller Sex und nichtssagenden Dialogen) entscheiden, dass ich jemanden heiraten will? Nee, danke. Das ist mir ein wenig zu unlogisch. Besonders dann, wie bereits erwähnt, wenn in der Story keine romantischen Gefühle vorhanden sind.

Daneben war die sprachliche Umsetzung die größte Folter von den bisher genutzten Folterinstrumenten. Ich kämpfe zwar regelmäßig – hin und wieder auch mit guten Büchern – mit dem Sprachgebrauch, aber hier war ich schon fast versucht, einen Scheiterhaufen zu entzünden und das Buch zu verbrennen. Ich weiß nicht, ob es hierbei an der Originalvorlage lag oder rein an der Übersetzung, aber ich hätte nicht gedacht, dass man eine Sprache derart missbrauchen kann. Der gestelzte Sprachgebrauch des Übersetzers (Ich beziehe mich hierbei auf die deutsche Ausgabe, da ich das Original weder vorliegen habe, noch vorhabe überhaupt zu lesen. Einmal gefoltert zu werden reicht vollkommen aus.) passt einfach nicht zur Geschichte. Auch die Satzbauten sind zu lang, zu kompliziert und recht häufig nichtssagend und unlogisch. Dass zwischendurch es mal einen oder zwei Sätze gibt, die keinen richtigen Sinn ergeben, kann ich verschmerzen, aber hier ist das schon auffällig häufig. Und regelmäßig musste ich ganze Absätze zurücklesen, um zu sehen, ob ich nicht etwas überlesen habe. Aber nein. Nix da. Die langen Sätze fingen mit einer Thematik an und hörten mit einer ganz anderen auf, sodass ich wahrscheinlich die meiste Zeit mit einem riesigen Fragezeichen im Gesicht dagesessen bin und auf das Buch gestarrt habe. Ich neige ja auch manchmal zu langen Sätzen, dennoch versuche ich immer, ihnen einen Sinn einzuhauchen und nicht von Thema zu Thema zu hüpfen. Da ist ja Achterbahnfahren angenehmer. Hier nur einmal ein kleines Beispiel an irrsinnigen Sätzen, von denen dieses Buch nur so vollgestopft ist:

“Sie machte ihren Mund zu, sie machte gleichzeitig die Tür zu, und dann wandte sie sich, die Arme vor der Brust verschränkt, ihrem Besucher zu.”
(Seite 160, unten)

Ich mein grammatikalisch und stilistisch einwandfrei ist DAS auf jeden Fall nicht. Wir sind ja alle nicht perfekt, aber wenn man permanent mit derartigen Sätzen beworfen konfrontiert wird, ist sämtliche Lesefreude, die hätte vorhanden sein können, ade.

Das nächste Folterinstrument, mit dem Frau Warren einem ans Leder will, sind die Charaktere. Sie waren alle durch die Reihe weg schon (fast) richtig unausstehlich, schwach ausgearbeitet und wenig prägnant.

Eines der ersten Dinge, die mir aufgefallen ist, als ich mit dem Buch begonnen hatte, war, dass mir der Protagonist, Sullivan Quinn, bereits auf den ersten beiden Seiten derart unsympathisch geworden ist, dass ich schon mit dem Abbruch des Buches geliebäugelt hatte. Die Vorstellung von Quinn, die sich ergab, lief ungefähr folgendermaßen ab:

Quinn beschreibt diesen Duft von Honeysuckle, den er wahrnimmt und der ihn fast wahnsinnig macht, dann philosophiert er über seine Stellung in seinem Rudel, schwippt dann rüber zu dem Gedanken, dem Vampir ihm gegenüber den Hals umzudrehen, weil dieser ihn mit Geschichten über sich selbst langweilt, dann nimmt er wieder diesen unvergleichlichen Honeysuckle-Duft (*würg*) wahr und im nächsten Moment möchte er dem Vampir schon wieder an den Kragen gehen, bis er sich dann doch entscheidet, diesem verführerischen Honeysuckle-Duft (Lieber Übersetzer, an dieser Stelle möchte ich gerne einmal anmerken, dass sie statt Honeysuckle lieber hätten Geißblatt verwenden sollen. Es hätte wesentlich besser zu ihrem gestelzten Sprachgebrauch gepasst. Honeysuckle wirkte dafür viel zu modern und anglisiert – also total unpassend!) zu folgen.

Dieses ganze Procedere nimmt das komplette erste Kapitel ein. *seufz* Schlechter und langatmiger hätte man einen Charakter wirklich nicht vorstellen können. Mich schüttelt es ja jetzt noch, wenn ich nur daran denke. *brr*

Ansonsten ist Quinn der billigste Abklatsch einer Alpha-Männchen-Kopie, die man sich nur vorstellen kann. Er ist arrogant, aber ohne dass etwas dahintersteckt, er ist besitzergreifend und tut, als ob ihm die Welt gehört und alle Weibchen dieser Welt nur ihm zu Füßen liegen würden. Unsympathischer kann man mir eine Alpha-Männchen-Kopie wirklich nicht machen. Ich mag ja gern das ein oder andere arrogante Alphamännchen, aber hinter denen steckt dann auch mehr Substanz, mehr Charakter und, was ganz besonders wichtig ist, mehr Gefühl und Lebendigkeit. Quinn hingegen wirkt nur billig.

Cassidy ist zwar nicht ganz so unsympathisch wie Quinn, hinterlässt aber dennoch auch keinen bleibenden Eindruck. Sie ist versuchsweise selbstbewusst, doch gegenüber ihrem männlichen Äquivalent schmilzt sie regelmäßig dahin und vergisst, dass sie eine emanzipierte junge Frau ist, die eigentlich selbstständig denken kann. Potential, aus ihr eine wirklich angenehme Protagonistin zu machen wäre auf jeden Fall vorhanden gewesen, wenn das Charakterdesign mit den anderen Komponenten der Geschichte in Einklang gebracht worden wäre.

Auffällig ist allerdings, dass der ein oder andere Nebencharakter schon fast sympathischer als die Protagonisten war und sich auch eher in mein Erinnerungsvermögen gemopst hat. Da wäre z.B. der undurchdringliche De Santos oder der Seelöwenwandler Richard. Aber damit hört es bei der Spanne der sich eingeprägten Nebencharaktere auch schon fast auf, denn so richtig kennen gelernt hat man die beiden beispielhaften Nebencharaktere ebenfalls nicht. Sie sind aufgetreten, haben ihren Eindruck hinterlassen, aber mehr auch nicht.

Insgesamt gesehen, hätte mit einem besser ausgearbeiteten Charakterdesign und einer stärkeren Grundstory, die mit aussagekräftigeren Dialogen hätte bestückt sein können, eine ganz nette Geschichte geschaffen werden können, was allerdings nicht der Fall ist. Die hier entstandene Folter ist leider nicht empfehlenswert.


Bewertung:

Empfehlen kann ich das Buch nicht, sollte sich dennoch jemand freiwillig dieser Folter aussetzen wollen, empfehle ich der- oder demjenigen, sich daneben gleich eine Packung Aspirin parat zu legen – jedenfalls bei der deutschen Ausgabe, denn Kopfschmerzen sind garantiert.


Infos zur Reihe:
  1. One Bite with a Stranger (September 2008)
  2. Big Bad Wolf (September 2009)
  3. Prince Charming Doesn’t Live Here (November 2010)
  4. Black Magic Woman (April 2011)
  5. Not Your Ordinary Faerie Tale (November 2011)
  6. On The Prowl (April 2012)
  7. Drive Me Wild (November 2012)
  8. Untitled (bisher nicht bekannt, wann der achte Band erscheinen soll und unter welchem Titel)
  9. Wolf at the Door (März 2006 – dt. Ausgabe: Küss mich, Werwolf)
  10. She’s No Faerie Princess (Oktober 2006 – Die Schöne und der Werwolf)
  11. The Demon You Know (Mai 2007)
  12. Howl at the Moon (Oktober 2007)
  13. Walk On The Wilde Side (Juni 2008)
  14. You’re So Vein (März 2009)
  15. Born To Be Wilde (März 2010) 

Die Angabe der Reihenfolge der Reihe erfolgt aufgrund der Informationen der offiziellen Seite der Autorin. Laut deren eigener Angabe ist der Verlauf der Storyline nicht mit den angegebenen Erscheinungsdaten übereinstimmend, sodass die Story in der o.g. aufgeführten Reihenfolge zu lesen wäre.


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