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[Review] Mackler, Carolyn - Viermal Paradies und zurück

Taschenbuch
Erschienen: 2011
Originaltitel: Tangled
Sprache: Deutsch
Seiten: 255
Verlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-58247-8
Preis: 14,00 €
Altersempfehlung: ab 12 Jahren 






Über die Autorin:

Carolyn Mackler wurde1973 in New York City geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Mann und ihrem Sohn lebt. Sie schreibt Kurzgeschichten, Essays und Jugendbücher, für die sie in Amerika mehrfach ausgezeichnet wurde. Mit ihrem Buch “Die Erde, mein Hintern und andere dicke runde Sachen” hat sie sich inzwischen auch bei uns einen Namen gemacht. 


Klapptext:

Urlaub in der Karibik – das klingt paradiesisch. Doch für Jena, Skye, Dakota und Owen ist es eher die Hölle. Jena mag nicht schwimmen gehen, weil man sie dann im Badeanzug sieht, Skye muss selbst im Urlaub ständig an ihre Schauspielkarriere denken, dabei ist sie eigentlich nur noch müde. Dakota würde am liebsten vergessen, dass er ene Freundin hatte, und benimmt sich wie ein Arsch. Und wäre wäre genauso gern zu Hause geblieben, denn wo er am Computer sitzt, ist ihm eigentlich egal. 

Aber dann badet Jena mit Dakota, Skye schreibt einen Brief und Jena entdeckt Owens Rücken. Und das ist erst der Anfang. 


Meinung:

Egal, wie oft ich den Klapptext – ohne das Buch zu kennen – gelesen habe, ständig erschien in meinem Kopf ein Dutzend Fragezeichen und mehr, weil ich mir aufgrund der Beschreibung überhaupt keinen Reim draus machen konnte. Dass sich der Text nach dem Lesen glücklicherweise sinngemäß ergab, war anfangs nur zu hoffen. Ich denke, dass es euch mit den Fragezeichen ähnlich geht, wie mir vor dem Lesen. Aber ich kann euch beruhigen, es ist ein tolles Buch mit viel Emotionen und der Suche nach sich selbst, als viel weniger die Suche nach der großen Liebe. 


Mit wenigen, dafür aber ausdrucksstarken, Worten und emotionalen Tief- und Höhepunkten in der Erzählung schafft es die Autorin auf wenigen Seiten dem Leser vier grundverschiedene Jugendliche, die ihren Lebensmittelpunkt verloren haben bzw. auf der Suche nach danach sind, nahe zu bringen. Die verschiedenen Handlungen spielen jeweils nacheinander mit einem Gesamtzeitraum von vier Monaten. Jeder Protagonistin erzählt einen Monat lang sozusagen seine Geschichte, die ungefähr zehn Kapitel lang ist – jeweils aus der Ich-Perspektive. 

Den Anfang der Erzählung macht Jena, die zugleich im weiteren Verlauf der Geschehnisse – ob indirekt oder direkt – eine Art Schlüsselfigur darstellt. Jena hat das typische Problem, was nicht nur viele Jugendliche, sondern auch Erwachsene haben: sie fühlt sich in ihrem eigenen Körper unwohl, leidet darunter und besitzt deswegen zu wenig Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein – ganz besonders der perfekten Skye gegenüber, mit der sie ja gezwungenermaßen ihren Urlaub verbringen muss. Doch trotz ihrer Minderwertigkeitskomplexe hat Jena nicht nur ein waches Auge für ihre Umgebung, sondern sie versucht sich einzubringen um anderen zu helfen. Erst nachdem Jena Dakota kennengelernt hat, beginnt sie ihre Minderwertigkeitskomplexe zu überdenken und festzustellen, dass im Grunde genommen alles reine Einstellungssache ist. Zwar hilft ihr die beunruhigende Selbstmordandrohnung, die sie findet, nicht weiter, jedoch lässt diese sie erkennen, dass ihre Probleme verglichen mit denen von anderen, nix sind. 

Dakota hingegen wirkt im Gegensatz zu Jena wie ein typischer Surferboy: gutaussehend und selbstbewusst. Doch im zweiten Teil der Geschichte erfahren wir auch, warum er sich Jena und auch Skye gegenüber wie ein Arsch verhalten hat und, dass er eigentlich gar nicht so selbstbewusst ist, wie man glaubt. Dakota ist nämlich verwirrt, traurig und wütend – und verletzt. Eine Kombination, die sein leicht selbstzerstörerisches Verhalten sich selbst und seiner Umwelt gegenüber erklärt, denn er hat seine erste große Liebe verloren – nicht durch Trennung, sondern durch einen Unfall. Was die Situation noch für ihn verschlimmert, ist der Stand der Beziehung zum Zeitpunkt des Vorfalles. Seine ungebändigten Aggressionen auf diese Situation, die für immer ungeklärt bleiben wird, bringen ihm nicht nur Ärger ein, sondern sorgen dafür, dass er Jena zuerst unbewusst verletzt. Das wird ihm zwar erst später bewusst, und er bereut es auch, aber wieder etwas, was er nicht ändern kann. Erst als er nach einer tätlichen Auseinandersetzung von der Schule suspendiert und ins Exil zu seinen spießigen Großeltern gesandt wird, beginnt er über sich, seine Wut und Trauer und sein weiteres Leben nachzudenken. Er begreift, dass er von vorn anfangen muss, dabei hilft ihm nicht nur der Gedanke, ein nettes Mädchen wie Jena verletzt zu haben, sondern auch noch eine junge alleinerziehende Mutter, die ihm zum Nachdenken im Allgemeinen anregt. 

Skye, die dritte erzählende Hauptfigur, hat weder mit Minderwertigkeitskomplexen noch mit Trauer oder Verlust zu kämpfen, sondern eher mit der Frage, wer sie eigentlich ist, das sie ihren Vater nie gekannt hat und ihre Mutter auch nie über ihn spricht. Ihre Identitätskrise wird durch die pessimistischen, ja geradezu depressiven Gedankengänge untermauert, die einem Skye letztendlich doch noch sympathisch machen, da ihr Leben, so wie es am Anfang wirkte, nicht eine heile Glitzerwelt ist. Zudem wird Skye ständig von ihrer Mutter ins Rampenlicht gezerrt, ohne dass diese überhaupt zu bemerken scheint, wie sehr sie sich in ihrer Depression einzuigeln beginnt. Erst als Skye sich für ihr Verhalten Jena gegenüber während des Urlaubs in Briefform entschuldigt, kommt Bewegung in Skyes Weiterentwicklung. 

Owen ist schüchtern und traut sich nur seine Gedanken und Gefühle in seinem Blog preiszugeben – von dem niemand etwas in seiner Umgebung etwas ahnt. Erst nach seiner Rückkehr aus dem “idyllischen” Familienurlaub mit seiner Mutter und seinem Bruder Dakota taut er leicht auf, da er danach über Kommentare zu seinem Posts Jena kennenlernt, die Owen mag und ihm helfen will. Doch davon ahnt Owen nichts. Er genießt die Unterhaltungen mit Jena und öffnet sich ihr, sich aber immer der Gefahren von Internetbekanntschaften bewusst. Erst als seine Mutter ihn allerdings in seinen Ferien durchs halbe Land zu einem Seminar für internetsüchtige Jugendliche schleift, durchbricht Owen seine Schweigsamkeit und Schüchternheit. Er bittet seinen Bruder um Hilfe, ihm aus diesem Gefängnis zu befreien, damit er sich mit einer Freundin treffen kann. 

Dadurch, dass jede Geschichte in der Ich-Perspektive geschildert wird, erlebt man als Leser umso eindringlicher die Gedanken- und Gefühlswelt jedes erzählenden Charakters sehr intensiv mit. Man konnte sich von Anfang an ganz wunderbar mit den einzelnen Figuren identifizieren. 

Zudem ist das Gesamtkonstrukt gut durchdacht, stimmig, abwechselungsreich und authentisch wiedergegeben. Der rote Faden, der sich immer wieder durch die Geschichte schlängelt, zeigt, dass diese vier Jugendlichen direkt oder indirekt miteinander verbunden sind und jeder auf seine eigene Weise Einfluss auf das Leben der jeweils anderen hat. Das hat mir persönlich sehr gut gefallen, auch wenn ich nach der Geschichte von Owen gerne gewusst, wie es mit allen vieren letztendlich weitergegangen ist. Wie sah ihr Leben nach den “vier” Monaten aus? 

Schön fand ich auch, dass eher alltägliche, einfache Geschichten zum Tragen kamen, die zeigen, dass wir durch unsere Umgebung und unsere Erfahrungen geprägt werden. Dies gilt nicht nur für Jugendliche, sondern auch für Erwachsene. 


Bewertung:

Ein kurzes, dafür aber umso emotionaleres Werk, was den Leser auf eine gemeinsame Reise mit Jena, Skye, Dakota und Owen ins Paradies schickt, sondern auch auf die Reise zu sich selbst. 


Weitere Werke der Autorin:
  • Die Erde, mein Hintern und andere dicke runde Sachen
  • Veganerin, siebzehn, Jungfrau, sucht…
  • Sommer in New York

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