03.05.2012

[Review] James, E.L. - Fifty Shades Darker

eBook
Format: Kindle Edition
Erschienen: 2012
Sprache: Englisch
Seiten: 395
Verlag: Cornerstone Digital
ASIN: B007KZY1YY
Preis: 6,01 €
Altersempfehlung: ab 18 Jahren 






Über die Autorin:

E. L. James is a former TV executive, wife and mother of two based in West London. Since early childhood she dreamed of writing stories that readers would fall in love with but put those dreams on hold to focus on her family and career. She finally plucked up the courage to put pen to paper with her first novel, Fifty Shades of Grey. 


Hinweis: Der weitere Beitrag enthält möglicherweise Spoiler!!!


Klapptext:

Daunted by the dark secrets of the tormented young entrepreneur Christian Grey, Ana Steele has broken off their relationship to start a new career with a US publishing house. But desire for Grey still dominates her every waking thought, and when he proposes a new arrangement, she cannot resist. Soon she is learning more about the harrowing past of her damaged, driven and demanding Fifty Shades than she ever thought possible. But while Grey wrestles with his inner demons, Ana must make the most important decision of her life. And it’s a decision she can only make on her own… 


Meinung:

Mittlerweile hätte ich dank dem vielen Augenrollen, hätte ich dafür jedes Mal einen Euro bekommen, schon meine zweite Billion zusammen und könnte mich wahrscheinlich den ganzen Tag gemütlich mit meinen Büchern, meinem Blog und den noch verbleibenden Bewertungen beschäftigen. Da leider niemand bereit war, mir diesen Schmerzensbeitrag zu zahlen, kann ich mich leider derartigen Vergnügungen nicht ausschließlich hingeben.  


Meine Empfehlung hinsichtlich der Altersempfehlung ab 18 Jahren bleibt aufrecht erhalten, da es sich hier um eine BDSM-Reihe handelt, in der insbesondere das männliche Äquivalent zu der hiesigen Protagonistin ganz spezielle sexuelle Vorlieben hat, die ich hier nicht weitergehend durchleuchten möchte. 

Ebenfalls wie beim ersten Band ist das Cover einer der attraktiveren Bestandteile des Buches. Wieder einmal finde ich die Farbgestaltung – passend zum ersten Teil – einfach nur schön; die Blau- und Silbertöne sind einfach eine Augenweide. Im Übrigen hat die Maske auch ihren Auftritt in dem Buch, aber anders als Krawatte in ihrem üblichen Rahmen.  

Schlechter weg kommen jedoch wieder einmal die Grundidee und die sprachliche Umsetzung. Ähnlich wie bei seiner berühmten Vorgabe trennt sich hier das Protagonistenpaar und findet wieder zusammen. Naja, eigentlich hat die Trennung nach einer einwöchigen Beziehungsdauer bereits im ersten Band ihr Ende gefunden, da Anastasia mit Christians Vorlieben einfach nicht zurecht kommt und nicht weiß, wie sie damit umgehen soll. Ohne Freund, dafür aber in ihrem ersten Job, hat Ana mit ihrem Gefühlschaos zu kämpfen und einem schleimigen Vorgesetzten, der im späteren Verlauf der Geschichte noch eine einnehmendere Rolle spielen wird. Doch bereits nach knapp sechs Tagen Trennung (kein Scherz!) machen sich Ana und Christian gemeinsam auf den Weg, um José bei seiner Ausstellungseröffnungseröffnung zu unterstützen. Ohne viel Romantik und Knistern – und ohne das einschlägige charakterliche Veränderungen zu erkennen sind – gesteht Christian Ana, dass er sie wieder haben will und Ana lässt sich gleich darauf ein. Es gibt kein Drama, kein genaues Überlegen seitens Ana, ob sie das sollte, welche Gründe dafür und welche dagegen sprechen. Selbst ihr Gewissen und ihre innere Gottheit (yes, die sind ebenfalls mit umgezogen) führen darüber keine ausführlich innere Diskussion. Einzig ihre erwähnten Gefühle für Christian (sie liebt ihn – nach einer Woche!!!), die so unüberzeugend sind, dass ich mich wirklich frage, ob sie überhaupt existent sind, scheinen ausschlaggebend zu sein. Hier hätte man eindeutig statt einem schleimigen Vorgesetzten, einem pubertierenden besten Freund, einer stressigen Mrs. Robinson und einer psychopathischen Ex eindeutig mehr Raum für das eigentliche Zueinanderfinden der beiden setzen können – auf emotionaler Basis als auch auf Vertrauensebene. Während des gesamten Lesens konnte ich nicht ein einziges Mal die angeblich vorhandenen Gefühle der beiden herauslesen, kein Knistern und auch keine erotischen Spannungen spüren. Ich hätte wahrscheinlich genauso gut das Telefonbuch lesen können und es hätte einen ähnlichen Effekt auf mich gehabt. Wie gesagt, hätte sich Frau James eher mit der Beziehung der beiden als auf den wieder einmal sehr ausschweifend vorhandenen Intimszenen und dem ganzen kurz angebundenen und wenig gut ausgebauten Nebenhandlungen konzentriert, hätte auch hier aus der Grundidee eine richtig potente Geschichte gezaubert werden können. 

Sprachlich findet sich leider auch keine Steigerung zum ersten Band. Zeitweise hatte ich sogar noch das Gefühl, dass es sogar noch schlechter war. Die Dialoge und Szenerien wiederholten sich auf die eine oder andere Weise immer wieder. Frau James besitzt für einige Sätze anscheinend eine unglaubliche Vorliebe – ähnlich wie für bestimmte Worte á la Holy Shit, Holy Cow, Smart Mouth usw. Ähnliches Prinzip gibt es bei einigen Sätzen, die sich sozusagen wie ein Mantra durch die Bücher zieht (gruselig, sag ich nur). Ständig verfällt sie auch in einer blassen Umschreibung von Christians Augen. Es wird weniger auf die Umgebung und deren Geschehnisse eingegangen sowie eine gewisse emotionale Tiefe der Charaktere. Das Ganze war sprachlich wieder einmal eine einzige Katastrophe; vulgär, billig und unkreativ bis zum Abwinken. Einzig interessanter Aspekt, der aus dem ersten Teil übernommen wurde, waren kleine eMail-Korrespondenzen zwischen Christian und Ana, die es einigermaßen erträglich machten, sich durch deren Geschichte zu lesen. 

Die Charaktere – allen voran Ana und Christian – erleben in der Zwischenzeit zwar ein oder zwei kleine Veränderungen, aber keine wirklich nachvollziehbaren. Ana ist nach wie vor naiv, dumm, weltfremd und besitzt zudem überhaupt keinen Selbsterhaltungstrieb. Das Einzige, zu dem sie sich entwickelt hat, ist eine läufige Hündin, die einfach nie Nein sagen kann. Christian hingegen hat sich innerhalb weniger Tage – wenn man der Geschichte folgt – um fast 180 Grad gedreht. Er ist zwar immer noch ein Kontrollfreak, besitzergreifend, bestimmend, nutzt seinen Reichtum schamlos aus und ist eifersüchtig auf jeden Typen, der Anas Nähe durchstreift, ist aber dafür etwas offener und umgänglicher, aber immer noch zu verschlossen, um mir als Leser zeigen zu können, dass er ein Vertrauensverhältnis zu Ana aufbauen möchte. Er versucht Ana in gewissem Maße zwar Bruchstücke aus seiner Vergangenheit und von sich selbst näher zu bringen, scheitert aber daran, dass das Ganze recht chaotisch zusammengewürfelt ist. Immerhin besteht hier der Versuch, Christian dem Leser näher zu bringen. Sympathisch wird er dadurch dennoch leider nicht und ich frage mich, warum zur Hölle er überhaupt eine Therapie besucht, wenn sie anscheinend doch nix bringt. Kurz gesagt, die Charakterveränderung von Christian erscheint unüberzeugend und wenig nachvollziehbar. 

Auch die Gefühle der beiden zueinander sind beim Lesen überhaupt nicht bei mir angekommen. Sie gestehen sich zwar, dass sie sich lieben, aber es wirkt leer und kalt. Es fehlt der Geschichte nicht nur an Romantik, sondern eindeutig auch ein wenig an erotischen Spannungen. Die können aber durch die zahlreichen Intimszenen der beiden auch nicht erreicht werden, da diese ebenfalls blass, lahm und unkreativ wirken. 

Den Charakteren fehlt es einfach an Lebendigkeit, Überzeugung und Tiefe; sie überzeugen weder in ihren Eigenschaften noch ihrer Gesamtheit. 

Das Preis-Leistungs-Verhältnis finde ich auch für den zweiten Band – ganz besonders wenn bedenkt, dass es sich hier um ein eBook handelt – überzogen und schon recht dreist. Man bekommt auf den knapp 400 Seiten wieder einmal eine Geschichte geboten, die dieses Geld einfach nicht Wert ist. Jedoch ist es jedem selbst überlassen, ob er das Geld in eine so schwache Geschichte stecken möchte. Ich persönlich kann es leider nicht empfehlen. 


Bewertung:

Die Geschichte ist immer noch schwach, die Charaktere sogar noch schwächer und die sprachliche Umsetzung einfach gruselig. Auch beim zweiten Band würde ich dazu raten, die Finger von zu lassen. Dennoch zeige ich mich auch hier von meiner generöseren Seiten und gebe dem Buch für die Grundidee und das Cover 1 ½ Tintenfässchen. Mit dem Rest wisst ihr ja, was ich machen würde. 


Infos zur Reihe:
  1. Fifty Shades of Grey (dt. Ausgabe: Shades of Grey – Geheimes Verlangen, erscheint im Juli 2012)
  2. Fifty Shades Darker (dt. Ausgabe: Shades of Grey – Gefährliche Liebe, erscheint im Oktober 2012)
  3. Fifty Shades Freed (dt. Ausgabe: Shades of Grey – Befreite Lust, erscheint im Januar 2013)

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