29.03.2011

[Review] Neill, Chloe - Frisch gebissen (Chicagoland Vampires #1)

Taschenbuch
Erschienen: 2011
Sprache: Deutsch
Originaltitel: Some Girls Bite
Seiten: 425
Verlag: Lyx
ISBN: 978-3-8025-8362-9
Preis: 9,95 €
Altersempfehlung: ab 16 Jahren 





Über die Autorin:

Chloe Neill ist im Süden der USA aufgewachsen. Mit der “Chicagoland-Vampires-Serie” gibt sie ihr Debüt als Autorin. Derzeit schreibt sie an einer neuen Urban-Fantasy-Serie. 


Klapptext:

Unlängst haben die Vampire der Welt ihre Existenz offenbart – und setzen nun alles daran, um sich als zivilisiert und ungefährlich zu präsentieren. Eines Nachts aber wird die Studentin Merit auf dem Campus von einem abtrünnigen Vampir angefallen, schwer verletzt und beinahe getötet. Kurz darauf taucht ein zweiter Vampir auf, der ihr das Leben rettet, indem er sie selbst in eine Unsterbliche verwandelt. Merit ist jedoch wenig begeistert von ihrem neuen Dasein als Blutsaugerin, muss sie doch jetzt die Uni verlassen, Sonne meiden und sich auch noch von Blut ernähren… Als sie ihren Retter zur Rede stellen will, erfährt sie, dass es sich bei ihm um den mächtigen Ethan Sullivan, Meister des Hauses Cadogan, handelt. Die Vampire erwarten von ihr, dass sie sich als Dank für die Rettung Sullivan unterwirft und in den Dienst seines Hauses tritt. Darauf hat Merit allerdings überhaupt keine Lust, und sie wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die Bevormundung. Aber das ist gar nicht so einfach – denn der verführerische Charme ihres Meisters bringt Merits Gefühle in großen Aufruhr. Zur gleichen Zeit wird Chicago von einer Reihe von Mordfällen heimgesucht: Ein unsterblicher Serienkiller treibt sein Unwesen, und er hat es auf Frauen abgesehen, die eine verdächtige Ähnlichkeit mit Merit besitzen…


Inhalt:

Merit ist Doktorandin für englische Literatur. Eines Abends, als Merit noch spät auf dem Campus unterwegs ist, wird sie von einem Vampir angegriffen, der ihr so böse die Kehle aufreißt, dass sie droht an der schweren Verletzung und dem damit einhergehenden Blutverlust zu sterben. Doch dann tauchen plötzlich zwei weitere Vampire auf, die den ersten Vampir in die Flucht schlagen und Merit helfen zu überleben – natürlich auf eine ganz andere Art als ihr selbst lieb ist. Sie verwandeln Merit in eine von ihnen. 

Nach Tagen ist sie das erste Mal wieder bei Besinnung und nimmt die Umgebung um sich herum wahr: sie sitzt in einen teuren Fummel gekleidet mit ziemlich hohen Schuhen in einer schicken Limousine, ihr gegenüber sitzt allerdings eine attraktive Frau, die sie gleich kurz nach ihrem Aufwachen darauf aufklärt, dass für Merit nun alles anders ist – denn sie ist nun ein Vampir und muss sich den Gesetzen und Regeln der Vampirwelt unterordnen. Zusammen mit ihrer Mitbewohnerin Mallory, bei der sie zwischenzeitlich angekommen sind, wird ihr erklärt, was man von ihr erwartet. Von ihrem Stolz gepackt und ahnend, dass ihre Lebensplanung nun vollkommen den Bach runtergeht, gerät Merit außer sich vor Wut und wirft die andere Vampirin mit Hilfe ihrer Mitbewohnerin aus dem Haus. Doch schnell wird klar, dass sich das Vampirsein nicht einfach unter den Teppich kehren lässt. Keine Sonnenbäder mehr, tagsüber durchschlafen und eine Flüssigdiät dominieren von nun an ihr Leben. Und auch die Verantwortung dem Haus gegenüber, zu dem sie seit ihrer Erschaffung gehört, wirft so einige Fragen auf. 

Sich nicht damit abfindend, dass sie dem Hause Cadogan die Treue schwören soll, beschließt Merit mit ihrer besten Freundin und Mitbewohnerin Mallory, das Haus Cadogan zu stürmen und „ihrem Meister“ einmal gehörig die Meinung zu geigen. Doch dies versteht der Herr des Hauses natürlich gleich einmal als Herausforderung und Merit muss sich Ethan gegenüber in einem Mann-gegen-Frau-Kampf behauptet, was ihr auch recht gut gelingt. Ethan ist überrascht, behält aber dennoch die Oberhand im Kampf und gewinnt. Die Chance, dem Hause nun entsagen zu können, ist dahin und Merit muss sich wohl oder übel dem Willen des Clan-Oberhauptes beugen. 

Während Merit unterdessen immer noch mit ihrer neuen Existenz – verständlich, dass es nicht sehr einfach ist, mit einem plötzlichen Dasein als Vampir zurechtzukommen – zu kämpfen hat, gehen die mysteriösen Angriffe auf Frauen, die merkwürdigerweise Ähnlichkeit mit Merit haben, weiter. Um mehr darüber zu erfahren, beschließt Merit, sich mit ihrem Großvater, ein ehemaliger Polizeibeamter – wie sie aber nur vermutet – in Verbindung zu setzen, um herauszufinden, was er weiß. Dabei erfährt sie, dass ihr Großvater für eine geheime Unterabteilung der Polizei arbeitet, die für die übernatürlichen Wesen dieser Stadt zuständig sind. Unterstützt wird ihr Großvater von einem Hexenmeister und einem Gestaltwandler. Sich der Unterstützung ihres Großvaters in jeglicher Hinsicht gewiss, wird auch bald klar, dass die Vampire mit ihrer Aussage, dass ihre Mitbewohnerin wahrscheinlich eine Hexe ist, gar nicht mal so unrecht haben. Denn der Hexenmeister, der für ihren Großvater arbeitet, scheint ein reges Interesse an der jungen Frau gefunden zu haben… 

Während besagter Hexenmeister und Mitbewohnerin sich eine schöne Zeit machen und Merit damit zur Verzweiflung treiben, beginnt es Ernst zu werden, denn Merit erhält plötzlich Morddrohungen. Sofort ist ihr klar, dass sie auf die Unterstützung des Hauses angewiesen ist – und somit auch der von Ethan. Da Merit sich allerdings nicht einfach so Ethans Willen unterwerfen will, geraten die beiden immer wieder aneinander – trotz der vollkommen gegenteiligen Gefühle, die beide anscheinend füreinander zu hegen scheinen.
Mit der Unterstützung ihrer Freunde, ihres Großvaters und ihrem Mut, sich nicht einfach ihr Leben diktieren zu lassen, deckt sie langsam auf, was sich wirklich hinter den Kulissen zu verbergen scheint. Und die Intrige scheint gewaltiger zu sein, als man auf den ersten Blick anzunehmen vermag… 


Meinung:

Trotz meiner Neugierde auf diese neue Vampir-Serie hatte ich nicht gerade große Erwartungen daran gesetzt. Was wohl daran liegt, dass es ein Vampirroman ist und ich dieser schon etwas überdrüssig bin/war. Doch was mich dann erwartete, überraschte meine kühnsten Träume. 


Von der ersten Seite an war ich eine Gefangene dieses Buches. Es hat mich gefesselt, fasziniert und mir auch das eine oder andere Lächeln geraubt. Ich habe wirklich nicht damit gerechnet, dass der erste Band der Chicagoland Vampires mich so überzeugen konnte. 

Die Autorin sticht besonders mit ihrer Art die Geschichte zu erzählen hervor. Denn wie ich schon seit einiger Zeit nicht mehr erlebt, wird die Geschichte komplett aus der Ich-Perspektive und somit von der Protagonistin selbst erzählt, was natürlich zu einer Intensität beim Lesen geführt hat, die ich wirklich nicht erwartet hatte. Merit ist eine starke und unabhängige Frau von 27 Jahren und gehört somit nicht in diese typische Teenie-Sparte, was sie allein schon sehr sympathisch macht. Zudem weiß sie genau was sie will und was nicht, trotz gewisser Unsicherheiten bei der einen oder anderen Entscheidungsfindung, die jeden einmal überkommt. Zudem liebt sie Literatur und ist sehr traurig und wütend darüber, dass sie nun, da sie ein Vampir ist, nicht mehr weiter studieren und somit ihren Doktortitel in englischer Literatur machen kann. Verantwortlich macht sie dafür natürlich ganz allein Ethan, der sie in eine Vampirin verwandelt und ständig Erwartungen an sie richtet, die Merit nicht bereit ist zu erfüllen. Was sie mir wirklich noch einmal mehr sympathisch gemacht hat. Sie denkt nach und unterwirft sich nicht einfach; so findet sie auch schnell die Möglichkeit, sich selbst zu beweisen. Das habe ich in dieser Vampir-Roman-Sparte auch noch nicht gehabt, was ich wirklich nur begrüßen kann. Ethan ist aber hingegen zu Merit der typische Vampir: arrogant, ein bisschen selbstverbliebt und geht davon aus, dass er einfach immer alles kriegt. Dass er damit bei Merit auf Granit beißt, ist natürlich umso amüsanter. 

Genauso liebenswert und sympathisch wie Merit rüberkommt, umso durchgeknallter und dennoch unglaublich liebenswert kommt ihre Mitbewohnerin Mallory daher. Mallory ist ein typisch verrücktes kreatives Huhn, was ihrer Kreativität nicht nur in ihrem Beruf, sondern auch in ihrem Aussehen und Auftreten keine Grenzen setzt. Ihre gesamte Art – ebenso wie die Zusammentreffen von Merit und Ethan – hat sich positiv auf die zeitweise düstere Stimmung der Geschichte ausgewirkt und hat sie zu einer meiner Lieblings-Charaktere dieses Buches gemacht. Ebenso sympathisch waren mir auch der Gestaltwandler, der einfach nur ein Computerfreak ist, sowie natürlich auch Merits Großvater. Die Einzigen, bei denen ich wirklich arge Bedenken bzgl. Ihrer Motive/Absichten habe, sind eindeutig Ethan, Catcher (besagter Hexenmeister) und Morgan (neuer Chef des Hauses Navarre). Ich weiß nicht, trotz seiner doch recht relaxten Art scheint Catcher irgendetwas zu verbergen, was meine Alarmglocken schrillen lässt. Auch Ethan ist nicht einfach zu durchschauen, auch wenn ich glaube, dass ihm die Treue zu seinem Haus über alles geht und er einfach seine Emotionen alles und jedem gegenüber – sowie auch seine Menschlichkeit, soweit vorhanden – abstellt. Morgan ist natürlich jemand, dem man nicht trauen sollte, besonders nicht dann, wenn er der neue Chef von Navarre ist, trotz einer gewissen Skepsis ist er mir immer noch sympathischer als Ethan, was sicherlich auch daher kommt, dass er im Gegensatz zu diesem überhaupt Emotionen zeigt. 

Die Handlung an sich ist recht umfangreich und man erfährt auch im hier vorliegenden ersten Band der Chicagoland Vampires-Serie nicht alles über die Intrige, ihre Hintergründe und Ausmaße. Die ganze Zeit über schafft es die Autorin eine gewisse Spannung aufrecht zu erhalten und doch immer wieder gewisse kleine Höhepunkte mit einzubeziehen, die einen Leser noch mehr fesseln und an die Geschichte binden. Es war für mich ein Leseerlebnis, trotz Vampire und diversen anderen übernatürlichen Geschöpfen, deren Erscheinen und Auftreten glücklicherweise in Grenzen gehalten wurde und keine ausufernden Ausmaße angenommen haben, sodass man hätte möglicherweise den Überblick verlieren können. Auch versteht sich die Autorin darin, ein sehr starkes Knistern zwischen Ethan und Merit oder zeitweise auch zwischen Merit und Morgan vibrieren zu lassen, aber immer in einem angemessen Rahmen, sodass es für mich einfach nicht too much war und auch nicht die eigentliche Handlung dominierte, sondern stets zum eigentlichen Geschehen eine gewisse Balance wahrte. 

Das Einzige, was ich schade finde, ist, dass man nicht einmal den Vornamen der Protagonistin erfährt, was allerdings durch die Autorin beabsichtigt scheint. Ihr fragt euch jetzt sicherlich, wie ich darauf komme, denn Merit scheint schließlich ein Vorname zu sein. Weit gefehlt. Es ist der Familienname der Protagonistin und es wurmt mich innerlich irgendwie, dass so ein Geheimnis um ihren Vornamen gemacht wird. Ob man ihn im zweiten Teil erwähnt?? Ich weiß es nicht, aber ich bin gespannt und werde mit Sicherheit diese nun für mich entdeckte Reihe weiterverfolgen und natürlich darüber berichten.  

 

Bewertung:

Ein großartiger Auftakt zu einer sehr spannenden, faszinierenden und fesselnden neuen Vampir-Reihe, die auch ein gewisses Amüsement für ihre Leser bereit hält. 


Infos zur Reihe:
  1. Chicagoland Vampires 1: Frisch gebissen (bereits erschienen)
  2. Chicagoland Vampires 2: Verbotene Bisse (Juli 2011)

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