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[Review] Hohlbein, Rebecca - Himmelwärts

Gebundene Ausgabe (mit Schutzumschlag)
Erschienen: 2010
Sprache: Deutsch
Originaltitel: –
Seiten: 619
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-26688-9
Preis: 19,99 €
Altersempfehlung: ab 16 Jahren 





Über die Autorin:

Rebecca Hohlbein, 1977 geboren, hat bereits früh ihre Liebe zu märchenhaften Stoffen entdeckt. Ob künstlerisch – sie malt und modelliert Trolle und Elfen – oder schriftstellerisch. Sie führt das Erbe ihrer berühmten Familie weiter und hat bereits mehrere Jugendbücher geschrieben und sich einen Namen als Autorin bei gemeinsamen Projekten mit ihrem Vater, Bestsellerautor Wolfgang Hohlbein, gemacht. Mit “Himmelwärts” legt sie erstes großes Werk vor. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Neuss. 


Klapptext:

Die Nacht fängt nicht gut an für Tabea. Auf der Jagd nach frischem Blut erwischt die junge Vampirin den Falschen und landet – von den unerlaubten Substanzen im Blut ihres Opfers umgeworfen – im pathologischen Institut Oberfrankenburgs. Das Erste, was sie bei ihrem Erwachen sieht, ist ein unwiderstehlich duftender, schneeweiß gekleideter Jüngling mit blonder Lockenpracht, der sich über sie beugt: Alvaro. Etwa zwei Stunden zuvor musste besagter Alvaro hilflos von oben mit ansehen, wie sein Schützling Lennart aus Versehen von einem Querschläger getroffen und getötet wurde – natürlich bevor er seine Aufgabe als künftiger Prophet antreten konnte! Nicht zuletzt um die eigene Karriere zu retten, fliegt der Himmelskrieger heimlich zur Erde, um Lennart wiederauferstehen zu lassen. Doch dann kommt es zu dramatischen Verwicklungen, in denen ein russischer Ganove, die vorlaute Tochter des Pathologen sowie das Auftauchen der Schergen des Teufels keine geringe Rolle spielen. Denn die Krieger des Himmels und der Hölle wählen die Erde zum Schauplatz eines beispiellosen Kampfes, und nur wenn Alvaro und Tabea schleunigst ihre Streitigkeiten in den Griff bekommen, kann die Welt und Oberfrankenburg gerettet werden!


Meinung:

Schwachsinn und Narkotika sind auch nach einigen Tagen der Überlegung und des Abwägens der positiven und negativen Aspekte dieses Werkes die ersten beiden Worte die mir hierzu einfallen. 


Altersempfehlung
Man sollte sich bei dem Werk von Frau Hohlbein nicht durch seine Optik und der Beschreibung der Geschichte täuschen lassen und es für ein simples Jugendbuch halten, denn dies ist hier absolut nicht der Fall. Ich würde meinerseits an dieser Stelle eine Altersempfehlung ab 16 Jahren aussprechen und halte dies auch für begründet. Nahezu jeder auftretende Charaktere stirbt entweder eines wider natürlichen Todes, wird von Dämonen gefressen (nicht ganz so tragisch) oder auch im schlimmsten Fall wird hier (versuchter) Kindermord thematisiert. Nicht gerade Dinge, die man meiner Ansicht nach in ein Jugendbuch packen würde. 

Sprache/Umsetzung
Auch erschwert es zudem die von der Autorin gewählte sprachliche Umsetzung sehr, sich mit der Geschichte anzufreunden und sich für diese zu erwärmen. Die Sprache ist ziemlich schwergängig, langatmig und langgestreckt, was meiner Meinung nach nun wirklich nicht die besten Voraussetzungen für ein über 600 Seiten Werk sind. Etwas zu lange Sätze sind bei der Autorin anscheinend ein Markenzeichen. Ich fand es kurz gesagt einfach nur nervig. Denn, wenn ein Satz über sechs Zeilen lang ist und einen ganzen Absatz bildet, finde ich das schon nicht mehr lesefreundlich, denn man weiß als Leser nicht wirklich, welche Aussage der vorhandene Satz denn nun eigentlich machen sollte, ohne noch einmal zum Anfang zurückzukehren und schauen, ob man das richtig in Erinnerung hat. Hier einmal ein paar Beispiele, die euch verdeutlichen, was ich mit langen Sätzen meine:

“Wenn man sein Leben lebte wie ein immerwährendes Festival, kannte man eine Menge solcher geistreicher Weisheiten – man musste eine Menge davon kennen, um die gelegentlichen Phasen relativer Nüchternheit zwischen all dem organischen wie anorganischen Abfall sowie den überlaufenden Dixi-Klos irgendwie zu überleben.” (S. 59) 
“Vielleicht um diese eigenwillige Form von Heimatstolz an die nächste Generation weiterzuprügeln, möglicherweise aber auch nur aus Mangel an Alternativen, gab es zudem nicht einen einzigen blutsechten Oberfrankeburger, der nicht schon zu Lebzeiten mindestens einmal im Rahmen eines Klassenausfluges oder Ferienangebotes hier gewesen wäre, um eingelegte Embryos zu bestaunen und im Workshop Quincy Kröten zu sezieren.” (S. 79)

Genauso verhält es sich während der gesamten Story. Es gibt immer wieder Zwischen- und auch Anfangsphasen, die nichts mit der eigentlichen Story zu tun haben, erzählt werden und die Geschichte unnötig in die Länge ziehen. Hätte man die Geschichte wirklich rein aus der Perspektive der beiden Protagonisten erzählt oder auch aus der Perspektive des einen oder anderen überlebenden Nebencharakters (gibt es übrigens nicht sehr viele von), wäre das hier vorliegende Werk wahrscheinlich lesenswert und noch erträglich. Da sich die Autorin aber dazu entschlossen hat, die Geschichte aus vielen verschiedenen Perspektiven zu erzählen – insbesondere zu anfangs und zwischendrin immer wieder einmal häufiger -, die – wie erwähnt – nichts mit der direkten Handlung zu tun haben, zudem diese benannten Charaktere schon nach kürzester Zeit eh den Löffel abgeben. 

Genauso nervenaufreibend, wie die Geschichte durch die Autorin erzählt wird, finde ich ihre ständigen Vergleichsziehungen, die realitätsferner, nerviger und gewöhnungsbedürftiger nicht sein könnten. Ich habe selten ein Buch gelesen, indem die gezogenen Vergleiche zwar witzig sein sollten, aber nicht nur einen gegenteiligen Effekt, sondern auch noch einen absoluten Nervigkeitsrekord gebrochen haben.
 
“Und im Gegensatz zu Hieronymos musste sie das künstliche Licht dort unten auch nicht fürchten, denn sie war nur ein Vampir der zweiten Generation – eine schlechte Kopie vom Original quasi, das chinesische Pendant zum schnurlosen Damenrasierer Amazone Dreifach Plus für empfindliche Haut, mit dem sich auch Kartoffeln schälen ließen.” (S. 23) 
“Als Dr. Herbert starb, hielt Tabea seine Hand. So oder ähnlich musste es sich anfühlen, wenn einem ein Duo-Drill-Mega-Akkuschrauber um die Ohren flog, ehe die erste Schraube saß.” (S. 454)
 
Auch beginnt erst die eigentliche Geschichte nach über 100 Seiten, bekommt ein klein wenig Schwung und sackt dann wieder in sich zusammen, nur um sich dann wieder ganz langsam aufzubauen und wieder wie ein Kartenhaus zusammenzufallen. Die Geschichte zieht sich während der gesamten Zeit schlimmer als Kaugummi, weswegen man schon nach wenigen Seiten das Buch genervt beiseitelegen möchte. Ich habe dies nicht getan und wurde mit einem wirklich schwachen Buch bestraft. 

Charaktere
Kurzum: viel zu viele. Es ist selten, aber es kommt vor. Es gibt in diesem Buch einfach zu viele auftretende Charaktere, die nicht nur seelenlos und unrealistisch wirken, sondern auch noch komplett dämliche Namen haben, wie “Lukas, der eigentlich Klaus heißt” oder “Der Oleanderstrauchpolizist” oder “Achim, der König über alle Dorfprinzen von Oberfrankenburg-Sattlersteden”. Zu diesen wirklich außerordentlich ungewöhnlichen Namen gibt die Autorin keine Erklärung, wie diese zustande gekommen sind oder auf welchen Tatsachen sie begründet sind. Sie sind meiner Ansicht einfach nur schwachsinnig und dämlich. Von der reinkarnierten Schildkröte rede ich erst gar nicht. 

Genauso wie der Part, in dem diese Charaktere auftreten und der hätte ruhig gestrichen werden können, da diese meiner Ansicht nach nicht handlungsrelevant sind, hätten diese Charaktere ruhig gestrichen werden können oder wenigstens einen humanen Namen kriegen können. 

Auch die beiden eigentlichen Protagonisten wirken nicht sehr sympathisch auf den Leser und wirken eher seelen- und leb-/lieblos. Ich hätte es eindeutig besser befunden, wenn die Autorin sich mehr um ein sympathischeres, prägnanteres und lebendigeres Protagonisten-Duo oder wie in diesem Falle ein Quartett bemüht hätte, statt eine Fülle von sinnlosen und oberflächlichen Charakteren zu schaffen und auftreten zu lassen. 

Gesamteindruck/Grundidee
Mein Gesamteindruck von dem Buch ist echt schlecht und ich würde es wirklich gerne komplett aus dem Bewertungsrahmen fallen lassen. Allerdings muss ich sagen, dass ich die eigentliche Grundidee (Vampir beißt Engel) interessant finde und wirklich gehofft hatte, als ich das Buch kaufte, eine witzige kleine Geschichte für Zwischendurch gefunden zu haben, was allerdings überhaupt nicht der Fall ist. Es ist überhaupt nicht witzig, die Geschichte ist zu langatmig, die Charaktere für ein über 600-Seiten-Werk zu oberflächlich und die sprachliche Umsetzung einfach katastrophal. Zwar hat die eigentliche Grundidee der Autorin hier eindeutig Potential, aber dies bleibt bedauerlicherweise vollkommen ungenutzt. 


Bewertung:

Eigentlich würde ich dieses Buch gern aus dem Bewertungsrahmen fallen lassen, da ich aber finde, dass die Grundidee eindeutig Potential hat, vergebe ich an dieser Stelle eindeutig nur ein halbes Tintenfässchen. Zudem muss ich sagen, auch nur ein halbes Tintenfässchen, weil mir die Buchgestaltung wirklich in den Augen weh tut. Es ist mir kurz gesagt, einfach zu pink!!

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