01.09.2010

[Review] Krock, Jeanine - Flügelschlag


Taschenbuch
Erschienen: 2010
Originaltitel: /
Sprache: Deutsch
Seiten: 720
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-52707-2
Preis: 14,00 €
Altersempfehlung: ab 16 Jahren 





Über die Autorin:

Jeanine Krock, in Braunschweig geboren, war unter anderem in Frankreich, Griechenland sowie Großbritannien als Model-Bookerin und Costumière tätig. Zudem hat sie im Musical-Theater und als Relocation Consultant gearbeitet. Nach den großen Erfolgen ihrer düster-romantischen Romane “Der Venuspakt” und “Die Sternenseherin” lebt und arbeitet sie inzwischen als freie Autorin in Norddeutschland.


Inhalt:

Arian ist ein Vigilie, ein Wächter-Engel, und wurde von seiner “Abteilungsleiterin” Nephthys auf die Erde verbannt mit dem Hinweis, dass in letzter Zeit Schutzengel verschwinden. Jedenfalls kommt es Arian wie eine Verbannung vor, denn einen offiziellen Auftrag hat er von ihr nicht erhalten. Nachdem Nephthys ihn mit dem Michaelisschwert gezeichnet, verletzt und auf die Erde geschupst hat, landet er im Kleiderschrank einer jungen Tierärztin – Juna. 

Juna ist Tierärztin mit Leib und Seele, kümmert sich um jedes verletzte Tier – und das manchmal auch ohne Geld dafür zu nehmen. Allerdings lebt es sich in Glasgow nicht ganz so ungefährlich mit den vielen Gangs, die sich regelmäßig Rangeleien liefern, und so versorgt sie – aber eigentlich mehr ihr Großvater, wenn dieser daheim ist – auch Menschen, die dringend Hilfe brauchen. Als sie eines Tages Arian – nur in einem von ihr “geliehenen” Quilt – in ihrem Zimmer findet, ist sie zuerst ziemlich überrascht, da dieser von einem merkwürdigen goldenen Licht umgeben wird, dass immer schwächer wird und zudem – bis auf den Quilt – völlig nackt vor ihr steht. Dass Arian kein gewöhnlicher Einbrecher ist, wird ihr schlagartig klar als sie seine Verletzung sieht. Sie zerrt ihn in das Behandlungszimmer und versorgt seine Wunde – die, wie sie nicht weiß, eh in ein paar Stunden verheilt wäre. Zudem gibt sie ihm Kleidung und bietet ihm einen Schlafplatz an, den dieser auch prompt annimmt. Arian ist zuerst verunsichert, warum Nephthys ihn ausgerechnet zu Juna geschickt hat, bis er bemerkt, dass sie über eine besondere Gabe verfügt. Juna kann Schutzengel sehen und wie sich herausstellt, kann sie nicht nur diese Engelart sehen, sondern verfügt über ihre ganz eigene Magie. 

 Mit Juna zusammen macht sich Arian daran die verschwundenen Schutzengel aufzuspüren bzw. herauszufinden, was mit ihnen geschehen ist. Zusammen stoßen sie auf eine Verbindung von einem Dämon und einen Menschen, die einen Pakt geschlossen haben. Juna hätte niemals gedacht, dass ausgerechnet dieser Mensch über die Gabe des Engelsehens und der Beschwörungsmagie verfügt und somit für das derzeitige Chaos mitverantwortlich ist. Als der Dämon jedoch bemerkt, dass sein “Vertragspartner” Verbindung zu einer talentierteren und magisch begabteren Engelsseherin hat – nämlich Juna – lockt dieser sie in eine Falle und entführt sie nach Gehenna, der Heimat der Dämonen. Doch der Dämon hat die Rechnung ohne seinen Dämonenfürsten, dem Marquis gemacht. Als dieser einmal bei ihm überraschenderweise zu Besuch erscheint, wird dieser auf Juna – die sich glücklicherweise erst seit geschätzten drei Tagen in der Obhut des Dämons befindet – aufmerksam. Er befiehlt seinem Untertan (*hust*), ihm diese interessante junge Frau zu überlassen, was dieser natürlich muss, da der Marquis ja sein Boss ist. 

Währenddessen ist Arian besorgt, der sich zwischenzeitlich immer mehr von Juna angezogen fühlt – obwohl er dies gar nicht darf-, und ist auf dem besten Weg sich nach Gehenna auf die Suche nach ihr zu begeben, da ja der Mann, der den Pakt mit dem Dämon geschlossen hat, verraten hat, dass der Dämon sie mitgenommen hat. Jedoch weiß er auch, dass er Juna nicht einfach so zurückbekommt, ohne dafür eine Gegenleistung zu erbringen. Cathure – der Feenprinz – rät ihm jedoch nicht unbedacht zu handeln und sich erst genau zu überlegen, wie er Juna am besten frei bekommt. 

Nachdem Arian Juna aus Gehenna befreit hat und vom Marquis erlöst hat, und diesem zudem das Versprechen abgenommen hat, dass niemand Juna ein Leid zufügen darf, verschwindet er spurlos für einige Monate. Juna denkt, er leistet seine Frondienste, die er einst angeboten hat, in Gehenna ab, bis Lucian – Dämonenfürst und auch bekannt unter dem Namen der Marquis – ihr eine leichte Andeutung macht, dass er gar nicht in Gehenna ist, sondern sich fröhlich in der Weltgeschichte herumtreibt. Während Arians Abwesenheit kommen sie und Lucian sich immer näher, was nicht zuletzt daran liegt, dass er ihr versucht beizubringen, wie sie ihre magischen Fähigkeiten einsetzen kann, sondern zu dem ihr auch Schwertkampfunterricht gibt, denn neuerdings hat es irgend so ein verrückter Attentäter auf ihr Leben abgesehen und Juna versucht zu lernen, auf sich selbst aufzupassen bis Arian wieder zu ihr zurückkehrt. 

Klar, taucht dieser auch wieder auf – natürlich in einer denkbar schlechten Situation (*kicher*) – und übernimmt von nun an wieder Junas Schutz. Allerdings hat er nebenbei noch eine Aufgabe zu bewältigen, die ihm klar macht, dass die Welt nicht nur aus Schwarz und Weiß, Gut und Böse, besteht. 


Meinung:

Wie man sich sicherlich denken kann, ist die Handlung mit guten 720 Seiten wirklich sehr umfassend und umfasst nicht nur einen Handlungsstrang – wie man ja aus der kurzen Inhaltsangabe entnehmen kann. Allerdings muss ich an dieser Stelle anmerken, dass ich mit Absicht – um einigen Leselustigen nicht die Lust aufs Lesen zu vermiesen – einige Details und Namen mit Absicht weggelassen habe. 

Lange habe ich zudem auch überlegt, wie ich “Flügelschlag” an sich gefunden habe und bin bisher eigentlich noch zu keinem einschlägigen Ergebnis gekommen. Deswegen fang ich jetzt einfach mal an, ein paar Punkte aufzuzählen, die mir aufgefallen sind, in der Hoffnung, dass diese mir bei meiner Entscheidung etwas helfen. ^^ 

Erst einmal ist die Idee von den Engeln an sich ja nix Neues, allerdings schon etwas gewöhnungsbedürftig in der Art, wie die Autorin sie hier darstellt. Normalerweise gehen wir davon aus, dass Engel einfühlsame Wesen sind, was hier eigentlich absolut nicht der Fall ist. Laut der Autorin werden hier die Engel von den sogenannten Engelsmachern geschaffen, wobei speziell darauf geachtet wird, dass den neuen Engeln die Herzen entnommen werden, damit diese keine Gefühle haben. Ich persönlich fand die Idee einfach mal anders und nicht so standardisiert, trotz Gewöhnungsbedürftigkeit. 

Allerdings fand ich es – bei der Seitenzahl – etwas schwach, dass die Autorin nur ein paar wenige Engelsarten erwähnt hat (die Vigilie – Wächterengel, die Gerechten – die die Welt nur in Schwarz und Weiß unterscheiden, die Gefallenen – die aus Elysium verbannt wurden, weil sie Gefühle hatten oder sich einen Fehler erlaubt haben – und die “Schwarzen Engel”, die ihr Zuhause in Gehenna, der Hölle, gefunden haben). An dieser Stelle wäre es schön gewesen zu erfahren, ob neben der kleinen Unterkategorie der Schutzengel noch weitere Engelarten existieren oder nicht. 

An der Erzählweise habe ich eigentlich nix auszusetzen, nur eine Kleinigkeit, die mich ziemlich gewurmt bzw. geärgert hat und für mich persönlich ein absolutes No-Go für eine derart erfahrene Autorin, wie Jeanine Krock sie ist, darstellt. Beim Lesen hat es mich nämlich regelmäßig genervt und gestört immer wieder einmal ein paar Zeilen, Absätze oder sogar Seiten zurückgehen zu müssen, um zu gucken, ob ich das jetzt falsch im Hinterkopf hatte oder ich mich total verlesen hatte, was letztendlich nicht der Fall, da die Autorin regelmäßig – und damit meine ich wirklich regelmäßig – die Namen zwei ihrer Nebencharaktere wirklich durcheinandergebracht bzw. ab und an einfach mal geändert hat, sodass man sich überlegt hat, ob wirklich dieser Charakter gemeint war. Zu anfangs benennt sie den Großvater von Juna mit dem Vornamen Duncan, woraus dann einmal kurz Connor wird, und später benennt sie Junas Vater in einer Zeile Duncan, dann wenige Zeilen später Richard und etliche Seiten später dann auf einmal Robert. Also diese Unentschlossenheit bei der Namensgebung – auch wenn es sich dabei “nur” um Nebencharaktere handelt, die eigentlich keine sehr aktive Rolle spielen – ist es doch schon ziemlich verwirrend und nimmt dem Leser eindeutig die Lust am Lesen. Die Geschichte wird abwechselnd und größten Teils aus der Perspektive von Juna und Arian erzählt, aber eher selten von einem der Nebencharaktere. 

Zu den Charakteren kann ich eigentlich nur sagen, dass ich sie ziemlich oberflächlich fand und ob es sich dabei nun um die Protagonisten selbst oder um Nebencharaktere handelte, spielt keine Rolle. So richtig konnte ich beim Lesen nicht mit den einzelnen Charakteren mitfühlen oder –fiebern – oftmals selbst nicht einmal mit den Protagonisten -, was ziemlich schade ist. Auch hat einfach die Tiefe gefehlt – genau wie in der Handlung. 

Teilweise – und das liegt zudem nicht nur an den Handlungssträngen, die hier zum Tragen kommen – wirkt das Ganze oftmals einfach ziemlich langweilig und auch langatmig, was den Fortgang der eigentlichen Handlung angeht. So sieht man mehr von Junas Training mit Lucian als von der eigentlichen Suche nach den Schutzengeln und später den entsprechenden “Aufträgen”, wobei die beiden mehr zufällig in die richtige Richtung geraten als dass sie auf der Suche sind. Auch wirkt die Gesamtgeschichte auf mich ziemlich gequetscht und ich hätte es besser gefunden, wenn die Autorin sich nicht nach Abschluss eines Handlungsstranges (Auftrag) gleich auf den nächsten gestürzt hätte. Obwohl sie dazwischen immer etwas Raum lässt, wirkt es unpassend und ziemlich schnell durchschaubar. Hier hätte man meiner Meinung nach die Handlungen zu den einzelnen Handlungssträngen, die sich in den einzelnen Aufgaben bzw. Nebenhandlungen wiedergeben, wirklich konsequent abschließen und dann vielleicht ein weiteres Buch eröffnen und nicht alles in einem Werk “hineingequetschen” sollen. 

Auch wirken viele Tätigkeiten, ob Nebenhandlung oder Haupthandlung, teilweise “unrealistisch” und einfach übertrieben. Genau weiß ich allerdings auch nicht, woran es gelegen hat. Ich fand an sich die Geschichte nicht schlecht, nur halt ziemlich voluminös und einfach zu übertrieben. Hätte die Autorin – so wie man es aus einigen ihrer vorigen Werke kennt – die Handlung “klein und kompakt” gehandhabt, wäre das Ergebnis vielleicht besser gewesen. 


Bewertung:

An sich bin ich ziemlich enttäuscht von “Flügelschlag”, denn ich habe einfach qualitativ etwas Besseres erwartet, da ich von “Der Venuspakt” und “Die Sternenseherin” ziemlich begeistert war und entsprechend hohe Erwartungen hatte. Deshalb gibt es von mir nur zwei Tintenfässchen.
 

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