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[Review] Anderson, Laurie Halse - Wintermädchen

Gebundene Ausgabe (mit Schutzumschlag)
Erschienen: 2010
Originaltitel: Wintergirls
Sprache: Deutsch
Seiten: 313
Verlag: Ravensburger Buchverlag
ISBN: 978-3-473-35321-7
Preis: 16,95 €
Altersempfehlung: ab 12 Jahren





Über die Autorin:

Laurie Halse Anderson, geboren 1961 in New York, studierte Sprachen und arbeitet seit 1996 erfolgreich als Autorin. Ihr internationaler Durchbruch gelang ihr mit dem preisgekrönten Roman “Speak”. Sie schreibt Bücher für junge Erwachsene und historische Romane. Für “Wintermädchen” recherchierte sie intensiv und sprach mit Fachleuten und Betroffenen.


Inhalt:

Als Lia und Cassie 14 Jahre alt waren haben sie an Silvester um Mitternacht einen Blutsschwur geleistet – sie wollten die schlankesten Mädchen ihrer Schule sein. Das hat auch jede für sich selbst getan – Lia ist magersüchtig und Cassie hatte sich für Bulimie entscheiden. Doch nun, vier Jahre später, steht Lia allein da. Cassie ist tot. Gestorben im Gateway Motel, ganz allein. Es war die Nacht, in der Cassie versuchte Lia anzurufen – 33 Mal und kein einziges Mal ist sie rangegangen.


Da Lia bereits schon zweimal wegen ihrer Essstörung stationär behandelt werden musste – beim ersten Mal war es nur Zufall, dass herausgekommen ist, dass sie essgestört ist, nämlich als sie einen Auffahrunfall verursachte und ins Krankenhaus eingeliefert wurde und beim zweiten Mal, hatte sie die Grenze beim Gewichtsverlust überschritten. Nun ist sie ein drittes Mal nahe dran und versucht alles, um davon abzulenken. Da ist natürlich Cassie’s Tod, der gerade einmal zwei Tage her ist, nicht gerade die große Hilfe, zudem ihr ihre ehemals beste Freundin als Geist erscheint und versucht, sie auf die Seite der Wintermädchen zu ziehen. Wird Lia der Versuchung erliegen oder kann sie wiederstehen? Wird sie mit dem Verlust von Cassie zurechtkommen oder gerät ihre Welt erneut vollkommen aus den Fugen?


Meinung:

Ich habe das Buch gerade erst vor ein paar Minuten beendet und bin immer noch leicht schockiert und sprachlos von dem was ich da gerade gelesen habe. Ich habe zwar schon mit einem sehr ernsten und schockierenden Buch über Magersucht und deren Folgen gerechnet, aber in so einem Extrem nicht.

Man erlebt die Geschichte von der ersten bis zur letzten Seite aus der Sicht von Lia, was das Ganze umso eindringlicher und wirkungsvoller macht, da die Autorin in der Ich-Form und im Präsens erzählt. Man steckt also in Lia drin, erlebt ihre Gedanken, ihre Gefühle, die Versuchung, gegen die ihr Körper ankämpft, wenn sie mit Nahrungsmitteln – egal welcher Art – konfrontiert wird, ihrer Fantasiewelt, in die sie sich manchmal flüchtet, und ihre Schuldgefühle. Ständig geht die unausgesprochene Frage in ihrem Kopf hin und her, ob sie hätte Cassie nicht helfen können, wenn sie ans Telefon gegangen wäre. Man erlebt auch hautnah mit – was einem wirklich unter die Haut geht – wie Lia jedes Mal, wenn man sie zwingt ein bisschen was zu essen, die Kalorien vorher abwägt. Denn Lia findet sich trotz 44,5 kg eindeutig zu dick und sie will weiter abnehmen; ihr bisheriges Ziel sind 39 kg.

Auch merkt man, wie gestresst und depressiv Lia eigentlich von ihrer gesamten Umgebung ist, dass ihr die ständige Kontrolle auf den Keks geht, das ständige Wiegen zur Tortur wird und sie sich eigentlich niemals jemandem nackt zeigt, denn dann würde auffallen, dass sie abgenommen hat. Lia wird selbst beim Wiegen ziemlich erfinderisch, zieht dabei jedes Mal denselben gelben Bademantel an – Grund: sie hat darin 25 Cent-Stücke eingenäht, damit diese ihr wahres Gewicht vertuschen.

Es ist ziemlich extrem, gut und plastisch durch die Autorin dargestellt, wie der Ablauf einer Magersüchtigen und sich selbst verletzenden jungen Frau vonstattengeht, und auch erschreckend. Für dieses Buch musste ich mir wirklich ausreichend Zeit nehmen, um die teilweise doch wirklich schockierenden Details, Tagesabläufe, Erinnerungen und Fantasiegebilde zu verarbeiten.

Selbst, wenn ich mit Lia wirklich gut mitfühlen konnte und sie mir wirklich unter die Haut gegangen ist mit ihrer Welt, die mir so ziemlich fremd ist, hätte ich sie das eine oder andere Mal wirklich gern geschüttelt und zur Vernunft gebracht, ihr gerne gesagt, dass Essen nicht den Tod bedeutet, sondern Leben, dass ein Skelett-Gerippe nicht schön aussieht und dass alle diese Mädels von diesem Essgestörten-Blog wirklich Hilfe brauchen – genau wie sie selbst, was sie allerdings erst einmal einsehen muss, denn wenn jemand keine Hilfe will, ist jede gute Intention zwecklos.


Bewertung:

An dieser Stelle, da das Buch wirklich hervorragend geschrieben und die Geschichte wirklich mitreißend ist, kann ich einfach nur sagen: Lest es selbst!


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